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Plötzlicher Todesfall in der Familie. Was tun?

Erbrecht

Der Schock ist groß, wenn ein naher Angehöriger überraschend stirbt. In dieser Situation die eigenen Gefühle beiseite zu schieben, einen kühlen Kopf zu behalten und alle notwendigen Schritte einzuleiten, ist nicht einfach. Ratsam ist in jedem Fall, Verwandte, gute Freunde und Nachbarn einzuschalten, die bei der Abwicklung der Formalitäten mit Rat und Tat zur Seite stehen.

Stirbt eine Angehöriger zu Hause, muss zunächst ein Arzt benachrichtigt werden. Nachdem dieser ein Fremdverschulden ausgeschlossen und den Tod offiziell festgestellt hat, stellt er einen Totenschein aus.

Der nächste Schritt ist, einen Bestatter auszuwählen und zu beauftragen. Außerdem sollten die engsten Angehörigen über den Todesfall informiert werden. Hilfreich ist es für die in dieser Situation oft überforderten Angehörigen, wenn sie eine Notfallmappe des Verstorbenen vorfinden. Darin ist im Idealfall alles festgelegt: Das Beerdigungsinstitut, das im Todesfall beauftragt werden soll, ob der Verstorbene eine Erd- oder Feuerbestattung wünscht und wie die Beerdigung im Einzelnen ablaufen soll.

Finden sich keine entsprechenden Regelungen vor, ist es die Aufgabe der nächsten Angehörigen, alle Entscheidungen rund um die Bestattung zu treffen. Nicht selten kommt es unter Familienmitgliedern in einer solchen emotionalen Ausnahmesituation zu heftigen Diskussionen und sogar Streit über die Frage, was der Verstorbene sich als Bestattungsform, Anzeigentext für Todesmitteilung in der Tageszeitung, Gästeliste und Ablauf der Beerdigung gewünscht hat. Gut zu wissen: Viele Bestatter bieten Rundum-Pakete an. Sie begleiten und regeln die Auswahl der Grabstätte, die Beisetzung des Verstorben und alle wichtigen Formalitäten angefangen von Beantragung der Sterbeurkunde, Benachrichtigung einer Sterbegeldversicherung, Gestaltung der Anzeigen, Trauerfeier. Das kann sinnvoll sein, um Diskussionen und Streit unter den Angehörigen vorzubeugen. Die Serviceleistungen der Bestatter haben natürlich auch ihren Preis. Daher ist es in jedem Fall ratsam, den Bestatter auf die Kosten anzusprechen und vor der Beauftragung um einen Kostenvoranschlag zu bitten.

Spätestens, wenn die Beerdigung vorbei ist, stellt sich die Frage nach dem Erbe des Verstorbenen. Hat er ein Testament hinterlassen? Falls ja, wen hat er als Erben eingesetzt? Welche Pflichten kommen auf die Erben zu? Was gilt, falls kein Testament aufgefunden wird? In dieser Situation ist es ratsam, sich umfassend über die Rechtslage zu informieren. Dadurch lassen sich Fehler vermeiden, die im schlimmsten Fall teuer zu stehen kommen können.

Wer Erbe wird, tritt bereits am Todestag des Erblassers rechtlich in seine Fußstapfen. Auf ihn gehen nicht nur automatisch seine Vermögenswerte und Verträge über, sondern auch etwaige Kredite und Schulden, die er gemacht hat. Wichtig ist in diesem Zusammenhang, als Erbe die Sechs-Wochen-Frist für die Ausschlagung der Erbschaft zu beachten. Wer die Frist verpasst läuft Gefahr, dass er für die Schulden des Verstorbenen haften muss. Nur unter engen Voraussetzungen ist es möglich, nach abgelaufener Frist das Erbe noch nachträglich auszuschlagen. Wegen der Haftungsrisiken für Erben und weitreichenden Folgen einer Erbausschlagung ist das Geld für eine frühzeitige anwaltliche Beratung in jedem Fall gut angelegt.

Quelle: DeutscherAnwaltVerein - Arbeitsgemeinschaft Erbrecht, Mitteilung vom 11. Januar 2018

Ja oder nein? Brauche ich eine Patientenverfügung?

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Viele Ratsuchende sind verunsichert. Im Fernsehen, in der Tageszeitung, im Wartezimmer des Hausarztes – überall wird darauf hingewiesen, wie wichtig das Thema Vorsorge ist. Was viele wissen: Für den Fall der eigenen Handlungsunfähigkeit benötigt jeder über 18 Jahren eine Vorsorgevollmacht. Darin benennt er eine oder mehrere Personen seines Vertrauens, die an seiner Stelle handeln können, wenn er selbst aufgrund Krankheit, Alter, Unfall dazu nicht mehr in der Lage ist. Aber brauche ich auch eine Patientenverfügung? „Diese Frage muss letztendlich jeder für sich selbst beantworten“, erläutert Ulrike Czubayko, Notarin und Fachanwältin für Erb- und Familienrecht in Flensburg. „Zwingend vorgeschrieben ist eine Patientenverfügung nicht.“

Die Patientenverfügung ist seit 2009 ausführlich im Bürgerlichen Gesetzbuch geregelt. Darin kann jeder verbindlich für sich festlegen, welche medizinischen Behandlungen er sich wünscht bzw. welche unterbleiben sollen, falls er selbst nicht mehr entscheiden kann. Denn klar ist: Solange sich ein Patient äußern kann zu Fragen rund um seine Behandlung, ärztliche Eingriffe, Operationen und sei es nur durch Augenzwinkern oder Hand heben, gilt sein Wille. Erst wenn er den nicht mehr äußern kann, greift die Patientenverfügung. Für behandelnde Ärzte, Bevollmächtigte und Betreuer ist sie verbindlich. Verstößt ein Arzt gegen die Anweisungen in einer Patientenverfügung, macht er sich strafbar.

Um eine Patientenverfügung zu erstellen ist es wichtig, sich mit der Endlichkeit des Lebens, dem Leben, Krankheit, Tod und Sterben zu beschäftigen. Denn es geht um folgenschwere Entscheidungen, ob unter bestimmten Umständen noch eine Fortsetzung der Behandlung gewünscht wird oder unterbleiben soll. Auch mit dem Risiko, dass dann der Tod möglicherweise schneller eintreten könnte. Ratsam ist es in jedem Fall, ein Gespräch mit dem Hausarzt über das Thema zu führen.

Wer sich dann für eine Patientenverfügung entscheidet, sollte die Situationen und Maßnahmen, die er wünscht bzw. nicht wünscht, möglichst detailliert regeln. Gute Hilfestellungen leisten die Broschüren des Bundesjustizminsteriums oder Vordrucke der Bundesärztekammer. Auch die Ratgeber der Stiftung Warentest sowie von Verbraucherzentralen sind nützlich. Darin finden sich Textbausteine und Formulierungshilfen, die als Grundlage für die eigene Verfügung dienen können. Wichtig ist in jedem Fall, dass die Patientenverfügung schriftlich per Hand oder am PC verfasst wird und eigenhändig unterschrieben wird. Außerdem sollte die Verfügung im Notfall auffindbar sein. „Ratsam ist, eine Kopie beim Hausarzt zu hinterlegen und eine Kopie dem Bevollmächtigten oder Betreuer zu übergeben“, erklärt Czubayko.

Wer sich gegen eine Patientenverfügung entscheidet, sollte in jedem Fall in seiner Vorsorgevollmacht die Gesundheitsfürsorge für den Fall der eigenen Handlungsunfähigkeit auf seinen Bevollmächtigten übertragen. Der Bevollmächtigte ist dann bei Fragen rund um ärztliche Behandlungen gehalten, den mutmaßlichen Willen des Vollmachtgebers zu beachten. Das heißt, er muss sich vorstellen, was der Bevollmächtigte gewollt hätte, wenn er selbst noch hätte entscheiden können. „Wichtig daher, in guten Zeiten über diese Themen mit dem Bevollmächtigten zu sprechen“, rät Czubayko. „Einfacher ist es für den Bevollmächtigten jedoch, wenn er aufgrund einer Patientenverfügung handeln kann. Denn das erspart ihm möglicherweise Diskussionen mit Ärzten und vermeidet ihm Gewissenskonflikte.“

Quelle: DeutscherAnwaltVerein - Arbeitsgemeinschaft Erbrecht, Mitteilung vom 18. Dezember 2017

Raus aus der Erbengemeinschaft: Wie vorgehen?

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Endlich Schluss – nicht selten haben Mitglieder einer Erbengemeinschaft irgendwann den Wunsch, aus einer seit Jahren oder gar Jahrzehnten bestehenden Gemeinschaft von Miterben auszusteigen. Aber wie? Ein Beispiel: Simone Bauer hat nach dem Tod ihrer Mutter vor 15 Jahre mit ihrem Vater und ihren zwei Brüdern den hälftigen Anteil ihrer Mutter am Zweifamilienhaus ihrer Eltern geerbt. Jahre später zog ihr Bruder Stephan mit seiner Familie in das Obergeschoss ein. Miete an die Erbengemeinschaft zahlte er nie. Der Vater von Simone lebt seit dem Tod der Mutter allein im Erdgeschoss. Er hat das Haus über die Jahre auf seine Rechnung gut instand gehalten. Simone Bauer hat kaum noch Kontakt zu ihrer Familie. Sie lebt weit entfernt von ihrer Heimat. Bevor ihr hoch betagter Vater stirbt, möchte sie gern aus der Erbengemeinschaft aussteigen. Am liebsten möchte sie sich nicht nur den Anteil an der Erbengemeinschaft nach dem Tod ihrer Mutter auszahlen lassen, sondern auch das Erbe nach dem Tod ihres Vaters. Sie befürchtet, nach dessen Tod von ihren Geschwistern bei der Verteilung des Erbes übervorteilt zu werden.

„In so einem Fall bietet es sich an, den Miterben einen Weg für den eigenen Ausstieg aufzuzeigen“, rät Stephanie Herzog, Rechtsanwältin und Mitglied der AG Erbrecht im Deutschen Anwaltverein. Im Fall von Simone Bauer ist es ratsam, zunächst gemeinsam einen Gutachter mit der Bewertung der Immobilie zu beauftragen. Auf der Grundlage des aktuellen Verkehrswerts kann dann über eine Abfindungszahlung für Simone verhandelt werden. Zu berücksichtigen wäre dabei zugunsten des Vaters, dass er die Instandsetzungen und Renovierungen allein getragen hat. Simones Bruder Stephan, der in dem Haus lebt, müsste sich den Wohnwert möglicherweise anteilig anrechnen lassen. „Klar sein muss allen, dass sich kein auf den Cent genau ermittelter Abfindungsbetrag ermitteln lässt“, weiß Rechtsanwältin Herzog. „Am Ende ist der Abfindungsbetrag auch Verhandlungssache.“

Wer sich mit den Gedanken trägt, aus einer Erbengemeinschaft auszusteigen, sollte zumindest im Hintergrund rechtliche Beratung in Anspruch zu nehmen. Führen die Gespräche mit den Miterben nicht weiter, können spezialisierte Rechtsanwälte auch im Rahmen einer Mediation zur Findung eines Lösungsweges beitragen. Dies ist für alle Mitglieder der Erbengemeinschaft in jedem Fall besser, als vor Gericht zu ziehen. Denn ein Rechtsstreit vor Gericht ist nicht nur teuer und kann sich über Jahre hinziehen. Er führt oft dazu, dass Familienmitglieder als Ex-Klagegegner vor Gericht anschließend kein Wort mehr miteinander sprechen. Und letztlich werden in einem Urteil nur Einzelfragen entschieden, aber keine Gesamtlösung gefunden.

Quelle: Deutscher Anwaltverein - Arbeitsgemeinschaft Erbrecht, Mitteilung vom 12. November 2017